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Hundetrainingswirrwarr und warum wir uns für positives Hundetraining entscheiden


 

Bewegt man sich in bestimmten (Hunde-) Kreisen und beschäftigt sich mit den Methoden der verschiedenen Trainer/innen, fällt es einem wie Schuppen von den Augen: die arbeiten ja gar nicht gleich. Der eine Fernsehtrainer empfiehlt das Spritzen mit einer Wasserflasche, der andere wiederum schwärmt von Leckerlis, wiederum eine andere schwört auf körperliches Blocken. Aber was soll man da noch glauben?

Um ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen: es gibt tatsächlich mehrere Ansätze dem Training mit Hunden zu begegnen. Grob unterscheidet man zwischen aversiven, positiven (oder auch bedürfnisorientierten) und balancierten Trainingsmethoden. Ok, so richtig schlau wird man daraus jetzt auch nicht, außerdem gibt es selten eine genaue Deklaration der Trainer/innen. Niemand der aversiv oder balanciert arbeitet, betitelt seine Vorgehensweise beim Vorstellungsgespräch mit zukünftigen Kundinnen.

Hier also ein paar Einzelheiten: aversives Hundetraining zielt darauf ab, dem Hund zu „erklären“, was er nicht tun soll- das passiert durch Bestrafung, durch unangenehme Reize oder sogar Schmerz und Angst. Warum wir uns davon distanzieren ist bestimmt selbsterklärend. Trotzdem muss kurz ausgeführt werden, dass sogar im österreichischen Tierschutzgesetz steht, dass es verboten ist, dem Tier ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden oder Angst zuzufügen. Außerdem muss sich jede und jeder von uns fragen: wie will ich mit meinem Tier umgehen? Wie will ich, dass mein Hund mich wahrnimmt?

Bei positiven, belohnungsbasierten oder bedürfnisorientierten Hundetraining geht es darum, das vom Hund gezeigte Verhalten zu verstärken, um ihn dazu zu bewegen, dieses Verhalten öfters zu zeigen. Denn, wir kennen das alle zumindest aus der Schulzeit; Wiederholung- äh Übung macht den Meister. Und jeder Hund macht vor unerwünschten Verhalten etwas richtig, immer!

Außerdem wissen wir, dass alle Lebewesen (ja auch wir Menschen) besonders gern Dinge machen, die sich lohnen. Logisch, oder wer würde arbeiten gehen ohne eine Bezahlung am Ende des Monats zu erhalten?

Aber natürlich ist es nicht ganz so einfach, weil es geht ja um fühlende Mitgeschöpfe. Nicht nur Verstärken des Verhaltens sondern auch das Hinterfragen der Bedürfnisse des Hundes stehen bei dieser Art von Training im Fokus. Hat der Hund Schmerzen, ist er über- oder unterfordert? Ist er aufgeregt, oder sind die Hormone gerade extrem aktiv?

Kein Hund macht etwas um „unsere Grenzen zu testen“ oder will „uns eins auswischen“, das sei gesagt (ok, in dem Fall geschrieben). Es steht IMMER ein Bedürfnis dahinter.

Aber warum Leckerlis? Das Verstärken funktioniert natürlich über jegliche Art von Belohnung. Das kann ein Spielzeug, eine Schnüffelstelle zu der der Hund hin wollte, Schwimmen, Kontakt zu Artgenossen aber eben auch Leckerlis sein (Liste kann beinahe endlos fortgeführt werden). Leckerlis sind klein, handlich und die meisten Hunde sind auch keine Kostverächter. Gute Leckerlis sorgen für gute Stimmung. Und mal ganz ehrlich, wer hat kein tolles Gefühl, wenn er an den delikaten Eisbecher vom letzten Sommerurlaub zurückdenkt? So ähnlich ist das auch bei unseren Hunden- wenn die Situation mit Leckerlis aufgewertet wird, ist sie gleich eine bessere Situation.

Und dann gibt es noch das balancierte Training. Hier geht es darum, sich „das beste aus zwei Welten“  zu holen. Den goldenen Mittelweg sozusagen. Liest sich im ersten Moment doch toll? Lasst uns einmal hinterfragen, was dieses Modell für unsere Hunde bedeutet. Mal Werfen einer Wurfkette bei Hundebegnungen, mal Leckerli fürs Sitz. Zuckerbrot und Peitsche quasi. Das große Stichwort lautet „Grenzen setzen“, „Fairness“. Wie aber bereits erwähnt, steht immer ein Bedürfnis hinter dem Verhalten des Hundes. Was löst es also bei einem Hund aus, der aus Unsicherheit zu einem Artgenossen hin bellt und ihn von der anderen Seite eine Wurfkette/ein Wasserstrahl/ein „Piecks“ in die Seite trifft? Na, klar, abgesehen davon, dass er den unangenehmen Reiz nicht einordnen kann, wird er noch verunsicherter, wenn statt Unterstützung eine weitere Verunsicherung von Seitens seines Menschen erfolgt…  Das Vertrauen bleibt auf der Strecke.

Die grundlegende Frage die sich stellt, ist, warum muss ich den Hund einen Fehler machen lassen, um ihn dann zu korrigieren oder bestrafen obwohl ich es ihm doch ganz leicht nett erklären kann? Warum muss ich es so weit kommen lassen, dass sich der Hund bereits in einem Erregungslevel befindet, in dem Lernen nicht mehr möglich ist? (Dazu an anderer Stelle mehr)

Ihr merkt schon, das ist auch Nichts für uns 😉

 

Wir haben uns dazu entschlossen, nicht nur die gesetzliche sondern auch die moralische Verpflichtung betreffend dem Umgang mit unseren Hunden ernst zu nehmen und deshalb unseren Fokus auf das positive, bedürfnisorientierte Training zu legen.

Nicht weil wir glauben, dass wir bessere Menschen sind, sondern weil wir glauben, dass Hunde einen fairen und wohlwollenden Umgang verdient haben. Hunde bemühen sich ständig, uns zu gefallen, unsere Körpersprache, unsere Mimik zu lernen - sind wir es ihnen nicht schuldig, uns auch zu bemühen, zumindest ansatzweise ihre Sprache zu lernen? Sie haben sich nicht ausgesucht, bei uns zu wohnen – sind wir es ihnen nicht schuldig, auf ihre Bedürfnisse acht zu geben?

 
 
 

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